Nettlau und football

Max Nettlau’s Erinnerungen an seine Begegnungen mit „football“, zuerst in Dublin im Jahr 1888:

An Sonntagen war ich mehrmals im grossen Phoenix Park, der seit der Ermordung von Cavendish und Burke im Sommer 1882 in allgemeiner Erinnerung war. Dort sah ich, wie sehr viele andere Zuschauer, Fussball spielen, zum erstenmal. Keine Veranstaltungen, glaube ich, sondern vielerlei lokale Kämpfe, denen man im Vorübergehen zusah. Da ging es furchtbar wild zu und es gab schon damals eine zahmere englische Art (Rugby): die irische Art war berüchtigt und man sagte mir später, dass ich damals im Phoenixpark grade das richtige, manches sehr starke Stück, gesehen haben müsse, obgleich die Leute schliesslich aus dem Gemengsel immer wieder ihre Füsse und Kopfattrapen zusammenfanden und gleich wieder auf einer andern Stelle herumkugelten. Damals habe ich in ein paar Viertelstunden football für mein ganzes Leben gesehen, da ich nie wieder daran dachte, so ein Spiel anzusehen, und so habe ich in diesen fünfzig Jahren weniger Zeit darauf verwendet als die meisten Leute. Nur in Amsterdam sah ich im Februar 1937 durch ein Gitter im Vorübergehen Fussball spielen, an einem Sonntag gegen Mittag; aber das war mehr ein Kinderballett als dieses zu einem „Rattenkönig“ oder einer Schlangengrube verwachsende Gliedergemengsel im Phoenixpark. Seit jener Zeit konzentrierte sich das geistige Leben der Jugend in den Füssen und die Kopffunktionen besorgt kollektiv und totalitär der führende Fascismus. Die Gladiatoren waren gefangene Opfer; zu den jetzigen circenses drängen sich die Opfer längst freiwillig als Sportspekulanten und gaffende Massen. Alles Hinterwäldlerinvasion und Zertrümmerung, Vergeudung der im Aufbau begriffenen Kultur; the bull in the chinashop, die Affenhorde, die einen Garten plündert…